Von Sebastian Kraus4 Min. LesezeitNach Jahren der Funkstille ist James Bond endlich wieder da – und zwar nicht auf der Kinoleinwand, sondern auf dem Bildschirm. Mit 007 First Light liefert IO Interactive das erste große Bond-Spiel seit dem Activision-Aus, und die Erwartungen waren entsprechend riesig. Dass beim Preload gleich zwei von drei Plattformen komplett leer ausgingen, sagt eigentlich schon alles über die Vorfreude der Community. Gamestar Aber hält das Spiel, was der Hype verspricht? Wir ordnen ein.
Bond ist zurück – und diesmal als Videospiel
Wer sich noch erinnert: Nachdem Activision die Bond-Lizenz verloren hatte, war es lange still um 007 in der Gaming-Welt. Sehr lange. Umso größer die Erleichterung, dass ausgerechnet IO Interactive – die Macher der modernen Hitman-Trilogie – das Franchise aus dem Dornröschenschlaf geweckt haben. YouTube Die Dänen wissen, wie man Agenten-Gameplay baut, das sich nicht nach generischer Ballerei anfühlt, sondern nach echtem Handwerk. 007 First Light ist auf PC, PlayStation und Xbox erschienen – und wer beim Preload-Chaos dabei war, weiß, dass das Interesse schon vor dem ersten Spielstart enorm war.
Was steckt hinter der Origin-Story?
007 First Light erzählt keine klassische Bond-Geschichte. Kein gealterter Geheimagent mit Wodka Martini und Anzug – stattdessen erleben wir einen jungen James Bond, der noch nicht der 007 ist, den wir aus den Filmen kennen. IO Interactive hat das bewusst so gewählt und betont, dass es sich um einen eigenständigen Bond handeln soll, unabhängig vom Filmuniversum. PC Games
Patrick Gibson verkörpert diesen jungen Bond – und macht das laut Kritikern überzeugend. Dazu gibt es einen eigenen Bond-Song, ein eigenständiges Universum und eine Origin-Story, die sich anfühlt wie eine Herkunftsgeschichte, die man so noch nicht gesehen hat. Eurogamer bringt es gut auf den Punkt: kein perfektes Videospiel, aber das beste erdenkliche Bond-Erlebnis. Eurogamer Das ist eine Ansage.
Gameplay: Hitman-DNA trifft Uncharted-Feeling
Wer Hitman gespielt hat, wird sich in 007 First Light sofort zuhause fühlen – und gleichzeitig merken, dass IO Interactive hier mehr wollte als eine Bond-Verkleidung für Agent 47. Die Hitman-DNA ist deutlich spürbar: Schleichen, Verkleidungen, kreative Lösungsansätze für Missionen. Aber daneben gibt es actionreichere Sequenzen, die eher an Uncharted erinnern – cineastisch, spektakulär, mit einem echten Sinn für Inszenierung. PC Welt
Das Missionsdesign gilt in vielen Tests als eines der großen Highlights des Spiels. Abwechslung ist das Stichwort: Kein Abschnitt fühlt sich an wie ein anderer. Allerdings – und das ist die ehrliche Einschränkung – hält nicht jeder Abschnitt das hohe Niveau. IGN spricht von spielerischen Längen, die den Spielfluss gelegentlich bremsen. IGN Kein K.O.-Kriterium, aber wer auf Tempo steht, sollte das wissen.
Was sagen die Tests? Der Kritiker-Konsens im Überblick
Das Bild ist eindeutig: 007 First Light kommt gut an. Sehr gut, sogar. JPGames spricht von einem "Agenten-Thriller auf Oberklasse-Niveau" JPGames, PC Welt sieht sogar Potenzial für das Spiel des Jahres PC Welt, und play3.de lobt den gelungenen Balanceakt zwischen Hitman-Erbe und eigenständiger Bond-Identität. play3.de
IGN nennt es einen "absoluten Traum für Fans" – mit dem erwähnten Vorbehalt bei Längen und Pacing. IGN Eurogamer fasst den Konsens wohl am besten zusammen: nicht makellos, aber das Beste, was Bond-Spielern seit GoldenEye passiert ist. Eurogamer
Für wen lohnt sich 007 First Light – und für wen nicht?
Die klare Empfehlung gilt für Bond-Fans und Liebhaber von Stealth-Action mit starker Erzählung. Wer die Hitman-Spiele mochte, wird sich sofort wohlfühlen – aber auch Neueinsteiger werden nicht allein gelassen. Das Spiel erklärt sich gut selbst und setzt keine Vorkenntnisse voraus.
Wer hingegen reine, kompromisslose Action ohne Schleichphasen sucht, braucht an manchen Stellen Geduld. 007 First Light ist kein Shooter, der einfach Gas gibt und nie aufhört. Es ist ein Agentenabenteuer, das Tempo und Ruhe bewusst abwechselt – und das ist eine Designentscheidung, keine Schwäche. Wer damit leben kann, wird belohnt. Wer das nicht kann, könnte gelegentlich auf die Uhr schauen.
Und noch ein Vergleich, der Maßstäbe setzt: Als bisher stärkstes Bond-Spielerlebnis seit GoldenEye ist 007 First Light kein Ersatz für einen Bond-Film – aber es muss auch keiner sein. Es ist etwas Eigenes. Und das ist eigentlich das größte Kompliment.
Unser Fazit: Kaufen, warten oder überspringen?
IO Interactive hat bewiesen, dass sie mehr können als Hitman. 007 First Light rechtfertigt den Hype zum Großteil – mit einer packenden Origin-Story, abwechslungsreichem Missionsdesign und einem Hauptcharakter, dem man gerne dabei zusieht, wie er zum Agenten wird. Die kleinen Schwächen im Pacing und die gelegentlichen Längen sind real, aber sie kratzen nicht ernsthaft am Gesamtbild.
Zum Launch-Preis ist das eine starke Empfehlung für Action-Adventure-Fans und Bond-Enthusiasten. Wer unsicher ist, kann auf einen Sale warten – aber verpasst dabei ein Spielerlebnis, das in dieser Form nicht alltäglich ist.
Was bleibt? 007 First Light ist mehr als ein gutes Spiel – es ist ein Signal. Ein Signal dafür, dass das Bond-Franchise im Gaming endlich wieder ernst genommen wird. Nach Jahren des Stillstands hat IO Interactive gezeigt, dass eine starke Lizenz und ein starkes Entwicklerstudio zusammen tatsächlich etwas Besonderes ergeben können. Wenn das der Auftakt einer neuen Bond-Spielereihe ist, dann darf man gespannt sein, was als Nächstes kommt. Die Lizenz zum Weitermachen haben sie sich verdient.

Sebastian Kraus
Sebastian zockt seit über 30 Jahren — vom C64 über die PlayStation 1 bis zum heutigen Gaming-PC. Auf gamingzeit.de schreibt er über Konsolen, PC, Indie und Hardware.



