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Baldur's Gate 2 Remake offiziell in Entwicklung – Legende kehrt zurück
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Baldur's Gate 2 Remake offiziell in Entwicklung – Legende kehrt zurück

Wizards of the Coast arbeitet angeblich an einer Neuauflage des RPG-Meilensteins, mit Original-Co-Lead-Designer Kevin Martens an Bord.

Sebastian KrausVon Sebastian Kraus6 Min. Lesezeit

Manchmal reicht eine einzige Meldung, um die gesamte RPG-Community in kollektiven Ausnahmezustand zu versetzen. Genau das ist passiert, als PC Gamer diese Woche berichtete: Ein Remake von Baldur's Gate 2: Shadows of Amn soll tatsächlich in Entwicklung sein – und mit Kevin Martens kehrt ausgerechnet der Co-Lead-Designer des Originals ans Projekt zurück. Reddit explodierte, Twitter explodierte, vermutlich auch ein paar Herzen von Leuten, die Jaheira und Minsc schon längst für immer verabschiedet hatten.

Die Meldung, die die RPG-Welt erschüttert

PC Gamer beruft sich auf eine Quelle aus dem direkten Umfeld des Projekts – mehr Details zur Identität gibt es erwartungsgemäß nicht. Als Publisher soll Wizards of the Coast hinter dem Vorhaben stehen, die D&D-Lizenzinhaber, die seit einigen Jahren konsequent versuchen, ihre Marke auch im Videospielbereich auszubauen. Ein offizielles Statement von Hasbro oder WotC? Fehlanzeige. Auf Anfrage gab es bislang keinen Kommentar.

Trotzdem wirkt der Bericht nicht wie ein halbgares Gerücht. PC Gamer hat in der Vergangenheit bewiesen, dass sie keine Meldungen dieser Tragweite ohne belastbare Grundlage raushauen. Und die Tatsache, dass mehrere andere Outlets wie Eurogamer und GamePro die Meldung aufgegriffen und nicht dementiert haben, gibt dem Ganzen zusätzliches Gewicht. Einordnung: Das ist kein Fanwunsch, das ist ein Leak mit echtem Fundament.

Kevin Martens: Der Mann, der Amn erschaffen hat

Der Name Kevin Martens dürfte eingefleischten BioWare-Fans sofort etwas sagen. Als Co-Lead-Designer von Baldur's Gate 2 war er maßgeblich daran beteiligt, die Spielwelt von Amn zu erschaffen – diese dichte, moralisch komplexe Welt voller Grautöne, die das Spiel bis heute von so vielen anderen RPGs abhebt. Er hat nicht einfach Quests gebaut; er hat mitgeholfen, eine Atmosphäre zu destillieren, die Spieler seit über zwei Jahrzehnten nicht loslässt.

Seine Rückkehr zum Franchise ist kein zufälliges Casting. Das ist ein Signal. Wer einen der Väter des Originals ins Boot holt, will offensichtlich kein schnelles Remaster mit aufgehübschter Textur-Auflösung und neuem Ladebildschirm verkaufen. Das deutet auf Ernsthaftigkeit hin – auf den Anspruch, die Seele des Spiels zu bewahren, statt nur die Marke zu melken.

Für die Community bedeutet seine Beteiligung vor allem eines: Kontinuität. Nicht irgendein fremdes Studio, das sich das BG2-Handbuch durchliest und dann drauflosarbeitet, sondern jemand, der dabei war, als Jon Irenicus zum Leben erwachte.

Was wir über das Remake wissen – und was nicht

Ehrlich gesagt: noch ziemlich wenig. Das Entwicklerstudio hinter dem Projekt ist bislang nicht identifiziert worden. Larian Studios – die naheliegendste Wahl nach BG3 – ist offenbar nicht beteiligt, was angesichts ihrer Aussagen, sich nach BG3 neuen Projekten widmen zu wollen, wenig überrascht. Welches Studio also? Keine Ahnung. Ein bekannter Name ist bisher nicht durchgesickert.

Interessant ist außerdem ein Detail, das Play3.de aufgreift: Die Berichte deuten darauf hin, dass möglicherweise nicht nur BG2, sondern auch ein Remake des ersten Teils in der Pipeline steckt – ein Doppelpack also. Das wäre kein ungewöhnlicher Ansatz; ähnliche Bundles haben bei anderen Franchise-Revivals gut funktioniert.

Was die technische Ausrichtung angeht, tappt man ebenfalls im Dunkeln. Vollständige Neuentwicklung in einer modernen Engine? Aufgewertetes Original mit überarbeiteter Optik und Lebensqualitätsverbesserungen? Irgendwas dazwischen? Kein Release-Fenster, keine Plattformangaben, nichts. Das Projekt befindet sich offenbar noch in einer frühen Phase – oder die Beteiligten sind einfach außergewöhnlich diszipliniert, was Leaks angeht.

Warum jetzt? BG3 als Katalysator

Die Antwort auf das "Warum jetzt?" liegt eigentlich auf der Hand: Baldur's Gate 3. Larians Meisterwerk war 2023 nicht nur Spiel des Jahres, es war ein kulturelles Ereignis. Millionen Menschen, die vorher noch nie einen D20 angefasst hatten, tauchten plötzlich in Faerûn ein, diskutierten Companion-Romanzen und stritten sich darüber, ob man Astarion vertrauen kann. Das Franchise hat eine neue, riesige Spielerbasis gewonnen – und die meisten davon haben BG1 und BG2 nie gespielt.

Für Wizards of the Coast ist das eine Steilvorlage. Der D&D-Boom der letzten Jahre – befeuert durch Podcasts, Twitch-Streams und den anhaltenden Erfolg von BG3 – hat die Marke auf ein Popularitätsniveau gehoben, das sie seit den Hochzeiten der Infinity-Engine-Ära nicht mehr kannte. Da wäre es geradezu fahrlässig, nicht auf die Nostalgie-Karte zu setzen und gleichzeitig neue Spieler abzuholen.

Der Vergleich mit anderen RPG-Remakes ist ebenfalls aufschlussreich. Final Fantasy VII Remake, System Shock, Demon's Souls – erfolgreiche Neuauflagen von Klassikern funktionieren, wenn sie respektvoll mit dem Original umgehen und gleichzeitig modern genug sind, um nicht wie ein Museum zu wirken. BG2 hat das Potenzial, in diese Liga aufzusteigen – vorausgesetzt, das Remake hält, was der Name verspricht.

Baldur's Gate 2 – Warum dieses Spiel ein Remake verdient

Wer Baldur's Gate 2: Shadows of Amn nie gespielt hat, versteht vielleicht nicht sofort, warum diese Meldung solche Wellen schlägt. Also kurze Einordnung: Das Spiel gilt bis heute als eines der besten RPGs aller Zeiten. Nicht als "gut für seine Zeit", sondern schlicht als eines der besten. Die Story um den Erzmagier Jon Irenicus – gespielt vom unvergesslichen David Warner – ist komplex, dunkel und emotional auf einem Niveau, das viele modernere Spiele nicht erreichen. Die Companions wie Minsc, Jaheira oder Viconia sind Charaktere, keine Funktionen. Sie haben Tiefe, Widersprüche, echte Bögen.

Das einzige, was das Spiel heute wirklich im Weg steht, ist die technische Hürde. Die Infinity Engine, auf der BG2 läuft, sieht aus wie das Jahr 2000 – weil sie es ist. Die isometrische Vogelperspektive, die winzigen Sprites, die Menüs: Für Spieler, die mit BG3 oder modernen Action-RPGs aufgewachsen sind, ist der Einstieg eine echte Herausforderung. Ein Remake könnte genau diese Barriere einreißen und das Meisterwerk einer Generation zugänglich machen, die es sonst nie kennenlernen würde.

Community-Reaktion und Ausblick

Die Reaktionen in sozialen Medien und auf Reddit schwanken erwartungsgemäß zwischen purer Euphorie und vorsichtiger Skepsis – manchmal beim selben Nutzer innerhalb desselben Kommentars. Die Freude über die Rückkehr des Franchises ist real und groß. Aber die Community hat gelernt, vorsichtig zu sein. Zu viele geliebte Klassiker wurden schon durch lieblose Remakes beschädigt.

Die drängendsten Fragen: Wer entwickelt es wirklich? Wird das Kampfsystem modernisiert, und wenn ja, wie radikal? Bleibt die isometrische Perspektive erhalten, oder wird BG2 zu einem Third-Person-Action-RPG umgebaut? Und vor allem: Versteht das beteiligte Studio, warum dieses Spiel so besonders ist – oder wird es auf ein generisches Fantasy-RPG-Template heruntergebrochen?

Kevin Martens' Beteiligung beantwortet diese Fragen nicht vollständig, gibt aber zumindest einen Hinweis in die richtige Richtung. Wer das Original mitgebaut hat, weiß, was auf dem Spiel steht.


Was bleibt? Diese Meldung ist mehr als ein Gaming-Gerücht – sie ist ein Zeichen, dass die goldene Ära der isometrischen RPGs nicht nur nostalgisch verklärt, sondern aktiv weitergedacht wird. Wenn das Remake hält, was die Beteiligung von Kevin Martens andeutet, könnte es das sein, was eine ganze Generation von BG3-Spielern endlich zu den Wurzeln des Franchises führt. Gleichzeitig trägt es eine enorme Last: Baldur's Gate 2 ist kein beliebiger Klassiker, sondern für viele das definitive RPG-Erlebnis schlechthin. Ein Scheitern wäre schmerzhaft. Ein Gelingen dagegen – das wäre tatsächlich etwas Besonderes. Bis zur offiziellen Ankündigung bleibt die Spannung erhalten. Und ehrlich gesagt: Das ist auch nicht das Schlechteste.

Sebastian Kraus
Geschrieben von

Sebastian Kraus

Weikersheim

Sebastian zockt seit über 30 Jahren — vom C64 über die PlayStation 1 bis zum heutigen Gaming-PC. Auf gamingzeit.de schreibt er über Konsolen, PC, Indie und Hardware.

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