Von Sebastian Kraus6 Min. LesezeitWer sich einen neuen Monitor kauft, stolpert unweigerüber diese Zahlen: 60 Hz, 144 Hz, 240 Hz. Klingt erstmal nach Marketing-Bingo, ist aber einer der wenigen Specs, die ihr tatsächlich im Spielalltag spürt – vorausgesetzt, ihr wisst, was dahintersteckt und was für euren Spielstil überhaupt relevant ist.
Was bedeutet Bildwiederholrate überhaupt?
Hertz gibt an, wie oft euer Monitor das angezeigte Bild pro Sekunde komplett aktualisiert. 60 Hz bedeutet also: 60 neue Bilder pro Sekunde. 144 Hz entsprechend 144. Soweit simpel.
Jetzt kommt der Teil, den viele durcheinanderbringen: Hz und FPS sind nicht dasselbe. Die Bildwiederholrate ist eine Eigenschaft des Monitors, die Framerate eine Eigenschaft eurer Grafikkarte. Beide müssen zusammenpassen – sonst verschenkt ihr Geld oder Leistung.
Was höhere Bildwiederholraten konkret verbessern, ist vor allem die Bewegungsschärfe. Bei 60 Hz hat euer Gehirn zwischen zwei Frames mehr Zeit – das führt zu sichtbarem Motion Blur, besonders bei schnellen Kamerabewegungen oder Gegnern, die quer über den Screen flitzen. Mit 144 Hz oder mehr werden diese Zwischenphasen kürzer, das Bild wirkt subjektiv schärfer und flüssiger. KTC Play – Bildwiederholrate vs. Reaktionszeit
60 Hz: Immer noch ausreichend oder längst veraltet?
60 Hz war jahrelang der unangefochtene Standard – und ist es für einen guten Teil der Gaming-Community immer noch. Wer entspannt durch die Welt von Elden Ring reitet, in Persona 3 Reload Dungeons crawlt oder sich durch die Story von Black Myth: Wukong kämpft, wird mit 60 Hz nicht unglücklich werden. Diese Spiele sind in der Regel nicht auf Reaktionszeit ausgelegt, und 60 flüssige Frames fühlen sich in solchen Kontexten vollkommen okay an.
Reddit – Is 60 Hz enough?Die Nachteile von 60 Hz sind trotzdem real: Bei schnellen Bewegungen – sei es im Shooter oder in einem rasanten Rennspiel – sieht man das Ruckeln. Dazu kommt ein höheres Input-Lag. Der Monitor braucht bis zu ~16,7 ms, um ein neues Bild anzuzeigen. Bei 144 Hz sind es nur noch ~6,9 ms. Das klingt nach wenig, macht sich aber gerade bei kompetitiven Spielen bemerkbar.
Fazit zu 60 Hz: Wer entspannt zockt, keine High-End-GPU hat und nicht auf Reaktionszeit angewiesen ist, kommt noch durch. Als Neukauf für einen Gamer im Jahr 2025 ist 60 Hz aber nur noch schwer zu empfehlen – der Preisunterschied zu 144 Hz ist inzwischen minimal.
120 Hz und 144 Hz: Der spürbare Sprung für die meisten Gamer
Hier passiert die Magie. Der Wechsel von 60 auf 120 Hz ist einer der deutlichsten Upgrades, die ihr an eurem Setup vornehmen könnt – weil sich die Anzahl der angezeigten Frames pro Sekunde schlicht verdoppelt. Bewegungen wirken flüssiger, das gesamte Spielgefühl wird geschmeidiger. Corsair – Refresh Rates Compared
144 Hz hat sich als De-facto-Standard für PC-Gaming-Monitore im mittleren Preissegment etabliert – und das aus gutem Grund. Ihr bekommt eine spürbar bessere Spielerfahrung, ohne dass ihr eine RTX 5090 braucht, um die nötigen Frames zu liefern.
Konsolenspieler profitieren ebenfalls: PS5 und Xbox Series X unterstützen beide den 120-Hz-Modus, und wer diesen einmal aktiviert hat, möchte nicht zurück zu 60 Hz. Besonders in Spielen wie Call of Duty oder FIFA ist der Unterschied sofort greifbar.
Dazu kommt das Preis-Leistungs-Verhältnis: Solide 144-Hz-Monitore in Full HD gibt es inzwischen für unter 150 Euro. Das ist kaum noch ein Argument für 60 Hz.
Genre-Check: Wer braucht wirklich wie viel?
Nicht jedes Spiel profitiert gleich stark von hohen Bildwiederholraten. Hier ein ehrlicher Überblick:
Shooter (CS2, Valorant, Call of Duty) Hier zählt buchstäblich jede Millisekunde. Gegner bewegen sich schnell, Duellsituationen entscheiden sich in Frames. 144 Hz sind das absolute Minimum für kompetitives Spielen – wer ernsthaft rankt, sollte über 240 Hz nachdenken. Der Unterschied zwischen 60 und 144 Hz ist in diesem Genre am deutlichsten spürbar.
RPGs und Adventure (Elden Ring, The Witcher, Hogwarts Legacy) 60 Hz reichen hier aus, 120 Hz sind ein angenehmes Upgrade, das die Welt einfach schöner aussehen lässt. Mehr braucht ihr nicht – und mehr würde auch kaum etwas bringen.
Rennspiele (F1 24, Forza Horizon) Hohe Geschwindigkeiten und schnelle Kurven profitieren deutlich von 120 bis 144 Hz. Die flüssigere Darstellung hilft bei der Einschätzung von Kurven und Abständen – das ist kein Luxus, das ist funktional.
Strategie und Rundenbasiert (Civilization, XCOM) 60 Hz sind vollkommen ausreichend. Kein Mensch braucht 240 Hz, um einen Panzer über eine Karte zu bewegen. Hier ist die Bildwiederholrate schlicht irrelevant.
Sports und Fighting Games (FIFA, Street Fighter 6) 120 Hz machen hier einen echten Unterschied. Timing-Fenster in Fighting Games sind oft nur wenige Frames breit – flüssigere Darstellung hilft dabei, diese präziser zu treffen. Auch in Sports-Titeln fühlt sich das Spielgefühl bei 120 Hz deutlich angenehmer an.
240 Hz, 360 Hz und darüber: Für wen lohnt sich das?
Ehrliche Antwort: Für die meisten von euch nicht. Der Sprung von 60 auf 144 Hz ist ein Schlag ins Gesicht – im positiven Sinne. Der Sprung von 144 auf 240 Hz ist eine leichte Ohrfeige. Messbar, ja. Im Alltag dramatisch? Nein.
Relevant wird das erst für Profi- und Turnierspieler, die in CS2 oder Valorant auf höchstem Niveau spielen und jeden möglichen Vorteil ausschöpfen wollen. Für alle anderen ist es vor allem ein teures Upgrade mit diminishing returns.
Caseking – Monitor Bildwiederholrate erklärtFazit zu 240 Hz+: Nischenlösung für Enthusiasten und Profis. Kein Pflichtupgrade für den normalen Gamer.
Unsere Empfehlung: Das braucht ihr wirklich
Kein Blabla, klare Ansagen:
- Casual-Gamer und Konsolenspieler: 60 bis 120 Hz sind vollkommen ausreichend. Wer eine PS5 hat, sollte aber unbedingt einen 120-Hz-fähigen TV oder Monitor nutzen – der Unterschied ist zu gut, um ihn liegenzulassen.
- PC-Gamer als Allrounder: 144 Hz ist das sinnvolle Minimum. Punkt. Der Preisunterschied zu 60-Hz-Monitoren ist heute so gering, dass es keinen vernünftigen Grund mehr gibt, weniger zu kaufen.
- Kompetitive Shooter-Spieler: 240 Hz lohnen sich, wenn die Hardware mitspielt. Ohne eine GPU, die konstant 240+ FPS liefert, ist das Geld besser woanders investiert.
Was bleibt?
Die Bildwiederholrate ist einer der wenigen Monitor-Specs, bei dem ihr den Unterschied wirklich fühlt – nicht nur auf dem Datenblatt lest. Und genau deshalb lohnt es sich, hier nicht am falschen Ende zu sparen. 144 Hz ist 2025 kein Premium-Feature mehr, sondern der vernünftige Ausgangspunkt für jeden, der ernsthaft zockt. Was darüber hinausgeht, ist eine Frage des Genres, des Anspruchs und der Geldbörse. Wer entspannt Singleplayer-Abenteuer genießt, muss keine 240-Hz-Hochglanzlösung kaufen. Wer aber täglich in kompetitiven Shootern um Ranking-Punkte kämpft, wird den Unterschied zu schätzen wissen – vorausgesetzt, die GPU macht mit.

Sebastian Kraus
Sebastian zockt seit über 30 Jahren — vom C64 über die PlayStation 1 bis zum heutigen Gaming-PC. Auf gamingzeit.de schreibt er über Konsolen, PC, Indie und Hardware.



