Von Sebastian Kraus7 Min. LesezeitGears of War-Fans kennen das Gefühl: Man wartet. Und wartet. Und wartet noch ein bisschen mehr. Seit Gears 5 aus dem Jahr 2019 war es verdächtig still um die Reihe – bis The Coalition endlich die Karten auf den Tisch legte. Gears of War: E-Day heißt das neue Kapitel, und es ist kein direkter Nachfolger, sondern ein Prequel. Die Story dreht sich um den Emergence Day, also den Moment, in dem die Locust zum ersten Mal aus dem Erdinneren auftauchen und die Menschheit überrumpeln. Wer die Originaltrilogie gespielt hat, weiß: Das hier ist der Urknall des gesamten Gears-Universums. ComputerBase hatte bereits exklusiven Vorab-Zugang zum Multiplayer auf dem PC – wir fassen zusammen, was dabei herauskam.
Endlich zurück: Warum E-Day so lange erwartet wurde
Sieben Jahre sind im Gaming eine Ewigkeit. Franchises sterben, Fanbases wandern ab, und irgendwann fragt man sich, ob man überhaupt noch auf etwas wartet. Bei Gears war das anders – die Community blieb hartnäckig präsent, auch wenn Microsoft und The Coalition wenig zu berichten hatten. Umso größer war der Jubel, als E-Day offiziell angekündigt wurde.
Das Prequel-Setting ist dabei eine clevere Entscheidung. Statt die ohnehin schon komplizierte Haupthandlung weiterzuspinnen, kehrt man zum Anfang zurück: Marcus Fenix und Dom Santiago, jünger, roher, noch ohne die Last von Jahren im Krieg. Für Einsteiger ohne Gears-Vorwissen ist das ein idealer Einstiegspunkt – kein Lore-Studium nötig, der Kontext erklärt sich quasi von selbst. Die Locust kommen, alles geht den Bach runter, ihr schießt drauf. Simpel, aber effektiv.
Technisch setzt The Coalition auf eine neue Grundlage. Was genau darunter zu verstehen ist, zeigt sich vor allem auf dem PC – dazu später mehr.
Xbox: Gears of War: E-Day – Offizielle SeiteDie Multiplayer-Modi im Überblick
Wer Gears kennt, weiß, dass der Multiplayer seit jeher ein eigenes Ding ist. Das Cover-System, die Lancer mit ihrer Kettensäge, das träge-aber-präzise Gunplay – das ist nicht jedermanns Sache, aber wer einmal drin ist, kommt so schnell nicht wieder raus. E-Day bringt zwei überarbeitete Klassiker zurück: Den Versus-Modus, der auf den bewährten Gears-Mechaniken aufbaut, und als echte Neuerung Horde Siege.
Horde Siege ist das interessantere Konzept. Zwölf Spieler, aufgeteilt in drei Vierertrupps, kämpfen gemeinsam gegen Locust-Wellen – aber nicht einfach nur nebeneinander her. Die Squads müssen koordiniert agieren, Ressourcen teilen und taktische Entscheidungen treffen, die das gesamte Team betreffen. Das klingt auf dem Papier nach dem üblichen "Wir machen Horde-Modus, aber mit mehr Leuten" – in der Praxis soll es sich laut Previews deutlich komplexer anfühlen.
Der klassische Versus-Modus kehrt ebenfalls zurück, ohne komplett auf den Kopf gestellt zu werden. Gears-Veteranen sollen sich sofort heimisch fühlen, ohne dass das Spiel dabei auf der Stelle tritt.
Techkrams: Gears of War E-Day – Multiplayer-Details Notebookcheck: Das bietet der MultiplayerHands-on-Eindrücke: So spielt sich E-Day wirklich
Das Deckungssystem ist und bleibt das Herzstück von Gears. In E-Day fühlt es sich vertraut an – wer die Vorgänger gespielt hat, greift reflexartig zur A-Taste und duckt sich hinter die nächste Mauer. Aber The Coalition hat spürbar nachgefeilt: Übergänge zwischen Deckungen wirken flüssiger, das Ankleben an Wänden passiert weniger versehentlich als noch in älteren Teilen. Keine Revolution, aber eine ehrliche Verfeinerung.
Beim Gunplay scheiden sich traditionell die Geister. Gears-Waffen haben immer dieses gewisse Gewicht – sie fühlen sich schwer und direkt an, nicht so geschmeidig wie in einem Call of Duty, aber mit einem Feedback, das jeden Treffer spürbar macht. E-Day behält das bei. Die Lancer klingt satt, der Gnasher-Shotgun-Schuss knallt wie gewohnt, und der Active-Reload-Mechanismus – wer den Abzug im richtigen Moment drückt, bekommt einen Schadensboost – ist ebenfalls zurück. Für Puristen: alles beim Alten, aber polierter.
Horde Siege im Praxistest ist laut den Previews die eigentliche Überraschung. Die Dreier-Squad-Struktur erzwingt Kommunikation auf eine Art, die in vielen Co-op-Modi fehlt. Wenn ein Squad die Flanke nicht hält, spürt das der gesamte 12-Spieler-Verbund. Die Wiederspielbarkeit soll hoch sein, weil Wellendesign und Ressourcenverteilung von Runde zu Runde variieren.
Der Versus-Modus wirkt im Vergleich etwas konservativer – Tempo und Balance erinnern stark an Gears 4 und 5, was je nach Perspektive Lob oder Kritik sein kann. Map-Design soll auf enge Korridore und klassische Gears-Sightlines setzen, also keine offenen Areale, in denen das Cover-System irrelevant wird. Wer 2026 einen Vergleich zu anderen Third-Person-Shootern sucht: E-Day positioniert sich bewusst als das Gegenteil von Spielen, die auf Bewegungsfreiheit und Vertikalität setzen. Das ist eine Nische – aber eine, die bisher niemand anderes so konsequent besetzt.
Dailygame: Preview-Hands-on zu Horde Siege und Versus ComputerBase: Multiplayer und Technik-PreviewPC-Technik unter der Lupe: Grafikpracht dank NVIDIA-Partnerschaft
Xbox und NVIDIA haben für E-Day eine offizielle PC-Partnerschaft geschlossen – und das merkt man. The Coalition setzt auf ein Paket moderner NVIDIA-Features: DLSS, Frame Generation und Raytracing sind an Bord, was bedeutet, dass auch Mittelklasse-Hardware mit hochaufgelösten Bildern und flüssigen Frameraten umgehen kann, sofern man bereit ist, etwas KI-Upscaling zu akzeptieren.
Die offiziellen Xbox-Angaben versprechen 4K-Auflösung bei bis zu 60 FPS – sowohl in der Kampagne als auch im Multiplayer. Das ist keine besonders mutige Ansage für 2026, aber es zeigt, dass The Coalition Konsistenz über spektakuläre, schlecht optimierte Technik-Demos stellt.
Visuell fallen laut den Previews besonders die Beleuchtung und die Charaktermodelle auf. Die Locust-Designs wirken detaillierter als je zuvor, und die Umgebungen – zerstörte Städte, unterirdische Gänge, das ganze apokalyptische Gears-Programm – profitieren sichtbar vom Raytracing. Globale Beleuchtung, Reflexionen auf nassen Oberflächen, Schatten mit scharfen Kanten: Das sieht in Bewegung besser aus als auf Screenshots.
Für die breite PC-Spielerschaft relevant: Die Skalierbarkeit scheint gut durchdacht zu sein. DLSS erlaubt es, auf älteren GPUs trotzdem akzeptable Bildqualität zu erreichen, ohne dass man zwingend eine aktuelle High-End-Karte braucht. Konkrete Systemanforderungen stehen zwar noch aus, aber die NVIDIA-Partnerschaft lässt vermuten, dass das Spiel auf GeForce-Hardware besonders gut läuft.
Xbox Dynasty: Xbox und NVIDIA schließen PC-Partnerschaft Xbox: Technische Details zu E-DayStärken und offene Fragen vor dem Release
Was bereits jetzt überzeugt: Die Atmosphäre stimmt. E-Day fühlt sich nach Gears an – rau, düster, mit diesem charakteristischen Mix aus Brutalität und Buddy-Dynamik zwischen Marcus und Dom. Technisch ist das Spiel auf einem soliden Stand, und Horde Siege ist das frischeste Konzept, das die Reihe seit Jahren hervorgebracht hat.
Was noch unklar bleibt, sind die Fragen, die sich erst nach dem Release beantworten lassen: Wie viele Multiplayer-Maps gibt es zum Launch? Wie sieht das Progressionssystem aus – Battlepass, kosmetische Käufe, Season-Modell? Und was plant The Coalition für den Post-Launch-Support? Gears 5 hatte nach dem Release eine holprige Karriere mit unregelmäßigen Updates – das darf E-Day sich nicht leisten, wenn die Community diesmal langfristig bei der Stange bleiben soll.
Die Frage nach PlayStation ist offiziell beantwortet: kein Release, kein Plan, kein Kommentar dazu. E-Day ist Xbox- und PC-exklusiv, was das Spiel zu einem der wichtigsten First-Party-Titel im Xbox-Ökosystem für 2026 macht. Für Microsoft ist das ein Statement – Gears gehört zu Xbox, Punkt.
Und für Einsteiger? Das Prequel-Setting ist tatsächlich ein echter Einstiegspunkt. Man muss nicht wissen, wer Myrrah ist oder was mit dem Imulsion-Problem auf sich hat. Der Emergence Day erklärt sich selbst: Die Welt war normal, dann kamen die Locust, jetzt ist alles kaputt. Fertig.
Xbox Dynasty: Kein PlayStation-ReleaseFazit: Lohnt sich die Vorfreude?
Ja – aber mit Vorbehalt. Was The Coalition bisher gezeigt hat, ist technisch beeindruckend und spielerisch auf einem soliden Fundament gebaut. Horde Siege ist der Wildcard-Modus, der E-Day von einem reinen Nostalgie-Trip zu etwas Eigenständigem macht. Die PC-Version profitiert sichtbar von der NVIDIA-Partnerschaft, und das Prequel-Setting senkt die Einstiegshürde auf ein Minimum.
Aber Previews zeigen immer nur den besten Ausschnitt. Wie sich E-Day nach zehn, zwanzig Stunden anfühlt – ob die Maps variieren, ob das Progressionssystem motiviert, ob der Support nach Launch stimmt – das lässt sich erst im Oktober beurteilen.
Die klare Empfehlung: Beta im August mitspielen. Kostenlos, unverbindlich, und man bekommt ein ehrlicheres Bild als aus jedem Preview-Artikel. gamingzeit.de wird zur Beta berichten und am 6. Oktober den vollständigen Test liefern.
Was bleibt? Gears of War: E-Day ist mehr als ein Franchise-Aufwärmer für eine loyale Fangemeinde. Es ist Microsofts Versuch zu zeigen, dass Xbox noch echte Systemseller produzieren kann – Spiele, die man sich eine Konsole oder einen Gaming-PC kauft, weil es sie sonst nirgends gibt. Ob E-Day diesen Anspruch einlöst, wird der Oktober zeigen. Aber der erste Eindruck ist klar: The Coalition hat die Jahre des Wartens zumindest nicht verschwendet.

Sebastian Kraus
Sebastian zockt seit über 30 Jahren — vom C64 über die PlayStation 1 bis zum heutigen Gaming-PC. Auf gamingzeit.de schreibt er über Konsolen, PC, Indie und Hardware.



