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RAM-Krise bedroht Handheld-Gaming: Ist die Steam Machine schon vor dem Start erledigt?
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RAM-Krise bedroht Handheld-Gaming: Ist die Steam Machine schon vor dem Start erledigt?

SK Hynix warnt vor Engpässen bis 2030, die Steam Machine kostet über 1.000 Euro und bleibt hinter alten Laptops zurück – drei Alarmsignale für die Zukunft erschwinglicher Gaming-Hardware.

Sebastian KrausVon Sebastian Kraus6 Min. Lesezeit

Valve kündigt die Steam Machine an – und fast im gleichen Atemzug beginnt der größte RAM-Preisanstieg seit Jahren. Das ist kein schlechtes Timing, das ist ein Symptom. Denn was gerade in der Gaming-Hardware-Branche passiert, lässt sich nicht mit "Pech gehabt" abtun. Drei Entwicklungen, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben sollten, treffen mit einer Wucht aufeinander, die die gesamte Handheld-Kategorie ins Wanken bringt: eine Warnung aus Südkorea, ein enttäuschender Preiszettel aus Seattle und ein sechs Jahre alter Laptop, der eine brandneue Konsole alt aussehen lässt.


SK Hynix schlägt Alarm: 2027 wird das schlimmste RAM-Jahr aller Zeiten

Wer sich fragt, woher der ganze Druck auf Gaming-Hardware gerade kommt, muss nach Südkorea schauen. SK Hynix, einer der drei größten DRAM-Hersteller der Welt, hat in den vergangenen Wochen eine Prognose veröffentlicht, die in der Branche für Unruhe sorgt: 2027 soll der absolute Tiefpunkt der Speicherverfügbarkeit erreicht werden – und die Engpässe sollen laut aktuellen Einschätzungen bis weit über 2030 hinaus anhalten.

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Das ist ein beispielloser Zeithorizont. Frühere Speicherkrisen – die gab es durchaus – dauerten meist ein bis zwei Jahre, bevor sich Angebot und Nachfrage wieder einpendelten. Diesmal ist es anders, und der Hauptschuldige hat einen Namen: künstliche Intelligenz. Die KI-Industrie frisst enorme Mengen an Hochleistungsspeicher, konkret HBM (High Bandwidth Memory), der in KI-Beschleunigern wie Nvidias H-Serie verbaut wird. Das Problem: Die Fertigungskapazitäten für HBM und normalen Verbraucher-DRAM überschneiden sich erheblich. Wer HBM produziert, produziert eben kein DDR5 für Gaming-Handhelds.

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Neue Fab-Kapazitäten brauchen drei bis fünf Jahre, bis sie wirklich am Markt ankommen. Kurzfristige Entlastung? Nicht in Sicht. Es gibt einen kleinen Lichtblick: SK Hynix erwägt intern einen Fokuswechsel, der die Krise für Verbraucher-RAM leicht abmildern könnte.

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Aber Branchenexperten bleiben skeptisch – so lange die KI-Nachfrage ungebremst wächst, wird kein Hersteller freiwillig auf die margenstarken HBM-Aufträge verzichten.


Valve mittendrin: Steam Deck knapp, Steam Machine teuer, Zeitplan zerrissen

Valve hat das alles hautnah gespürt – und tut es noch. Schon im Februar 2026 bestätigte das Unternehmen offiziell, dass das Steam Deck wegen der RAM-Krise kaum zu bekommen ist. Wer damals hoffte, das sei ein vorübergehendes Ruckeln, wurde im Mai eines Besseren belehrt: Valve verschob die Steam Machine und das angekündigte VR-Headset. Als einziges Produkt erschien der Steam Controller planmäßig – ein Gerät, das keinen einzigen RAM-Chip braucht.

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Ende Juni 2026 dann der eigentliche Schlag: Valve enthüllte die finalen Preise der Steam Machine. Über 1.000 Euro. Deutlich mehr, als die Community gehofft hatte, und deutlich mehr, als das Gerät angesichts seiner Leistungsdaten rechtfertigen kann.

Play3: Steam Machine Preise und RAM-Krise

Was Valve dabei bemerkenswert offen zugegeben hat: Die RAM-Krise hat die Leistung verschiedener Steam-Machine-Modelle direkt beeinflusst. Das Ergebnis ist ein Gerät-Portfolio mit unterschiedlicher Qualität – manche Modelle treffen die ursprünglichen Specs, andere nicht.

GamePro: Valve räumt Leistungseinbußen ein

Das Ergebnis ist, ehrlich gesagt, ein bisschen tragisch: Ein Gerät, das zu spät kommt, zu teuer ist und je nach Modell unterschiedlich gut funktioniert. Für ein Unternehmen, das mit dem Steam Deck eine der erfolgreichsten Gaming-Hardware-Launches der letzten Jahre hingelegt hat, ist das ein schmerzhafter Rückschritt.


Der peinliche Vergleich: Warum ein sechs Jahre alter Gaming-Laptop die Steam Machine schlägt

Jetzt wird es wirklich unangenehm. Analysen, die in den vergangenen Wochen kursieren, zeigen etwas, das man eigentlich nicht glauben möchte: Gaming-Laptops aus dem Jahr 2020 können in mehreren Benchmarks mit der Steam Machine mithalten – oder sie sogar übertreffen.

BGR: Warum ein 6 Jahre alter Gaming-Laptop die Steam Machine schlägt

Wie ist das möglich? Der Grund liegt direkt in der RAM-Krise. Um überhaupt lieferfähig zu bleiben, hat Valve bei verschiedenen Modellen Kompromisse beim verbauten Speicher gemacht – weniger Kapazität, langsamere Taktung oder beides. Ältere Laptops, die in besseren Zeiten mit vollwertigem, schnellem RAM ausgestattet wurden, profitieren davon, dass ihre Komponenten schlicht keine Krisenware sind.

Das untergräbt das Kernversprechen der Steam Machine fundamental. Das Gerät sollte leistungsstarkes PC-Gaming in kompakter, erschwinglicher Form liefern – und "erschwinglich" ist bei über 1.000 Euro schon fraglich, aber "leistungsstark" darf wirklich nicht an einem Gerät scheitern, das sechs Jahre jünger ist als seine Konkurrenz.

In sozialen Medien hat die Community das erwartungsgemäß nicht still hingenommen. Der Spott ist teilweise beißend, die Enttäuschung darunter aber echt. Viele Fans hatten jahrelang auf dieses Gerät gewartet.

Die naheliegende Frage: Hätte Valve die Veröffentlichung einfach weiter verschieben sollen, bis sich die Lage normalisiert? Vermutlich ja – aber "bis sich die Lage normalisiert" bedeutet laut SK Hynix frühestens 2028, eher später. Und ein Produkt, das man noch zwei Jahre in der Schublade lässt, ist auch keine Lösung.


Ist Handheld-Gaming als Kategorie wirklich am Ende?

Valve ist nicht allein in dieser Misere. ASUS ROG Ally, Lenovo Legion Go, MSI Claw – alle Handheld-Gaming-PCs stehen vor exakt denselben Problemen. Steigende Komponentenkosten treffen eine Käufergruppe, die traditionell extrem preissensibel ist. Das Wertversprechen der gesamten Kategorie lautet seit jeher: gute Leistung für wenig Geld, portabel, flexibel. Bei RAM-Preisen von 2026 geht diese Gleichung schlicht nicht mehr auf.

PC Gamer: Handheld Gaming PCs are cooked

Konsolen haben hier einen strukturellen Vorteil, den man nicht unterschätzen sollte. Sony und Microsoft schließen langfristige Lieferverträge mit Chip-Herstellern ab, oft Jahre im Voraus, mit festen Preisen und garantierten Mengen. Das können kleine bis mittelgroße Handheld-Hersteller schlicht nicht leisten. Valve ist groß, aber kein Sony.

Manche Analysten sehen in der Krise sogar eine Art Marktbereinigung: Wer keine tiefen Taschen und keine stabilen Lieferketten hat, wird die nächsten Jahre nicht überleben. Das klingt brutal, ist aber nicht unlogisch. Eine Konsolidierung des Handheld-Markts wäre keine Überraschung – die Frage ist nur, wer am Ende noch da steht.

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Wer sich gerade fragt, ob er eine Steam Machine kaufen soll: Benchmarks genau anschauen, Modell für Modell vergleichen und den Preis wirklich kritisch hinterfragen. Über 1.000 Euro für ein Gerät, das in bestimmten Szenarien hinter einem Laptop aus 2020 zurückbleibt, ist keine Selbstverständlichkeit – das ist eine Entscheidung, die man bewusst treffen muss.

Wer warten kann, sollte es tun. Frühestens 2028 könnte sich die Lage laut Prognosen leicht entspannen – wobei "leicht entspannen" nicht "wieder wie 2019" bedeutet. Die strukturellen Verschiebungen durch KI-Nachfrage werden den Speichermarkt dauerhaft verändern.

Für Valve selbst ist die Steam Machine ein echter Hochseilakt. Hardware allein wird nicht reichen, wenn die Specs nicht überzeugen. Was Valve retten könnte, ist das Software-Ökosystem: Steam als Plattform, Proton als Kompatibilitätsschicht, die Bibliothek von Millionen Titeln. Wenn das nahtlos funktioniert und die User Experience stimmt, hat das Gerät trotz allem eine Chance. Aber das ist eine Wette auf Software in einem Markt, der gerade von Hardware-Problemen dominiert wird.


Was bleibt? Die RAM-Krise ist kein vorübergehender Engpass, den man aussitzen kann – sie ist ein struktureller Einschnitt, der durch die KI-Industrie angetrieben wird und mindestens bis 2030 spürbar bleiben wird. Für das Handheld-Gaming bedeutet das eine Zäsur: Die Kategorie ist nicht tot, aber sie muss sich neu erfinden. Die Prämisse "viel Leistung für wenig Geld, klein und handlich" funktioniert in einer Welt teurer Chips nicht mehr automatisch. Wer als Hersteller überlebt, wird nicht derjenige sein, der am lautesten ankündigt – sondern derjenige, der am klügsten einkauft, am geduldigsten plant und seinen Nutzern trotz allem echten Mehrwert liefert. Ob Valve das gelingt, wird sich spätestens 2027 zeigen.

Sebastian Kraus
Geschrieben von

Sebastian Kraus

Weikersheim

Sebastian zockt seit über 30 Jahren — vom C64 über die PlayStation 1 bis zum heutigen Gaming-PC. Auf gamingzeit.de schreibt er über Konsolen, PC, Indie und Hardware.

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