GamingZeit
Xbox im Umbruch: Neue CEO kündigt internen "Reset" an – drohen Massenentlassungen?
Industrie

Xbox im Umbruch: Neue CEO kündigt internen "Reset" an – drohen Massenentlassungen?

Ein internes Memo von Xbox-Chefin Asha Sharma deutet auf tiefgreifende Umstrukturierungen hin – und die Community hält den Atem an.

Sebastian KrausVon Sebastian Kraus4 Min. Lesezeit

Ein internes Memo geht um, und plötzlich hält die halbe Gaming-Branche den Atem an: Asha Sharma, die neue Chefin von Xbox, hat ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen bevorstehenden „Reset" angekündigt – und dabei Worte gewählt, die man von einer frisch ernannten CEO so selten hört. Die aktuelle Lage bei Xbox sei „überraschend und sogar frustrierend", schreibt sie laut Berichten. Das ist ungewöhnlich offen. Das ist auch ein bisschen alarmierend.

Der Paukenschlag: Was steht in Sharmas Memo?

Variety hat das Memo zuerst aufgegriffen, danach zog die deutschsprachige Gaming- und Tech-Presse nach. Der Kern: Sharma kündigt einen grundlegenden Umbau an, spricht von „harten Entscheidungen", die getroffen werden müssen – ohne dabei konkret zu werden, was genau das bedeuten soll. Keine Zahlen, keine Namen, keine klare Roadmap. Nur das Versprechen, dass sich etwas ändern wird. Und die ehrliche Einräumung, dass vieles gerade nicht so läuft, wie es sollte.

Das Memo ist intern, wurde aber offensichtlich schnell nach außen getragen – was selbst schon etwas aussagt über die Stimmung im Unternehmen. Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein Schreiben ihrer Chefin an die Presse durchstechen, ist das kein Zeichen von entspannter Aufbruchsstimmung.

Kontext: Xbox steckt mitten in einer Umbauphase

Sharma ist noch nicht lange im Amt. JPGames hatte bereits im April berichtet, wie sie mit einem inhaltlichen Leitbild für Aufsehen sorgte: Rückkehr zu Xbox-Exklusivität, klarere Markenidentität, weniger Schlingerkurs. Das klang nach Aufbruch. Nach Plan. Nach jemandem, die weiß, wo sie hinwill.

Das Memo klingt jetzt etwas anders. Sharma räumt ein, dass die Realität komplizierter ist, als es von außen – oder vielleicht auch von innen – aussah. Die Game-Pass-Preissenkung soll laut bfcom.eu erste positive Effekte zeigen, aber strukturelle Probleme lassen sich damit nicht wegdiskutieren. Gleichzeitig spart Microsoft konzernweit: Entwickler müssen bereits auf den KI-Coding-Assistenten Claude Code verzichten. Dr. Windows Das sind keine Zeichen eines Unternehmens, das gerade im Geld schwimmt.

Entlassungen: Wie realistisch ist eine neue Entlassungswelle?

Seien wir ehrlich: Wenn eine CEO intern von einem „Reset" und „harten Entscheidungen" spricht, denkt die Branche sofort an Stellenabbau. Das ist kein Zynismus, das ist Erfahrungswert. Bei Microsoft und Xbox haben solche Formulierungen in der Vergangenheit regelmäßig Entlassungswellen eingeleitet – zuletzt traf es unter anderem Tango Gameworks, das Studio hinter dem gefeierten Hi-Fi Rush, und eine Reihe weiterer Teams. Die Gaming-Industrie hat 2023 und 2024 Zehntausende Jobs verloren, und Microsoft war dabei kein unbeschriebenes Blatt.

Ein struktureller Umbau ohne Personalabbau wäre historisch gesehen die Ausnahme, nicht die Regel. Das bedeutet nicht zwingend, dass es so kommt. Aber die Kombination aus konzernweiten Sparmaßnahmen, einem neuen CEO-Memo mit düsterem Unterton und dem Wort „Reset" lässt wenig Raum für Optimismus. klamm.de

Was bedeutet der „Reset" inhaltlich für Xbox?

Abseits der Personalfrage stellt sich die inhaltliche Frage: Was soll sich eigentlich ändern? Sharma hat bereits signalisiert, dass sie Xbox wieder zu einer Plattform mit klarer Identität machen will – Exklusivtitel, starke Marke, weniger Verwässerung durch den Multi-Plattform-Kurs der vergangenen Jahre. Das klingt gut. Kostet aber auch etwas.

Wenn Ressourcen in Richtung Exklusivtitel und klare Markenstrategie fließen sollen, müssen sie irgendwo anders eingespart werden. Ob das Publishing-Deals, interne Entwicklungsprojekte, Hardware-Planungen oder ganze Geschäftsbereiche betrifft – das ist bisher unklar. play3.de Genau diese Unklarheit ist es, die gerade so viele Menschen nervös macht. Ein Reset ohne klare Kommunikation, was resettet wird, ist eben auch einfach: Unsicherheit.

Reaktionen: Community und Branche in Alarmbereitschaft

In der Gaming-Community ist die Reaktion erwartbar: Nervosität, Skepsis, ein mulmiges Déjà-vu-Gefühl. Zu frisch sind die Erinnerungen an die Schließung von Tango Gameworks, Arkane Austin und anderen Studios, die Microsoft in den vergangenen Jahren sang- und klanglos aufgelöst hat. Das hat Vertrauen gekostet – viel davon.

Branchenbeobachter sehen den „Reset" dagegen als möglicherweise notwendigen Schritt. Xbox hat in den letzten Jahren keinen klaren Kurs gefahren: mal Exklusivität, mal Multi-Plattform, mal Game Pass als einzige Zukunft, mal doch nicht. Irgendwo muss sich das finden. Aber „notwendig" und „schmerzhaft" schließen sich nicht aus – im Gegenteil.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Xbox dürfte das Memo jedenfalls keine beruhigende Lektüre gewesen sein. Vage Ankündigungen von „harten Entscheidungen" sind das Gegenteil von Planungssicherheit.

Ausblick: Wohin steuert Xbox unter Asha Sharma?

Sharma hat das Potenzial, Xbox wirklich neu aufzustellen. Ihr Leitbild klingt kohärenter als vieles, was in den vergangenen Jahren aus Redmond kam. Aber zwischen Ankündigung und Umsetzung liegen bei Microsoft traditionell einige Schlaglöcher – und die Geschichte der Xbox-Umstrukturierungen ist lang genug, um skeptisch zu sein.

Die nächsten Wochen werden zeigen, ob auf das Memo konkrete Maßnahmen folgen – und welche. Gamingzeit.de bleibt dran und berichtet, sobald neue Details bekannt werden.


Was bleibt? Ein Memo, das mehr Fragen aufwirft als beantwortet – und das ist vielleicht das eigentlich Beunruhigende daran. Asha Sharma hat recht, wenn sie sagt, dass Xbox einen klaren Kurs braucht. Aber „Reset" ist ein großes Wort, das in der Spielebranche fast immer auch Menschen trifft: Entwicklerinnen und Entwickler, die an Projekten hängen, Fans, die auf Studios vertrauen, und Teams, die nicht wissen, ob ihr Studio morgen noch existiert. Ob Sharmas Neuausrichtung Xbox langfristig stärkt oder nur die nächste Runde im endlosen Umstrukturierungskarussell einläutet – das wird sich nicht im Memo entscheiden, sondern in dem, was danach kommt.

Sebastian Kraus
Geschrieben von

Sebastian Kraus

Weikersheim

Sebastian zockt seit über 30 Jahren — vom C64 über die PlayStation 1 bis zum heutigen Gaming-PC. Auf gamingzeit.de schreibt er über Konsolen, PC, Indie und Hardware.

Mehr Artikel