Von Sebastian Kraus6 Min. LesezeitDreißig Euro im Monat für ein Spieleabo – das war vor ein paar Jahren noch undenkbar. Inzwischen ist es Realität, und zwar bei beiden großen Diensten. Microsoft hat den Xbox Game Pass Ultimate im Oktober 2025 auf satte 26,99 Euro pro Monat angehoben play3.de, was einem Anstieg von knapp 50 Prozent gegenüber den alten 17,99 Euro entspricht. Sony hat kurz darauf nachgezogen und die Preise für alle PS-Plus-Stufen erhöht. bild.de Die Reaktionen in der Community lagen irgendwo zwischen Fassungslosigkeit und resigniertem Schulterzucken – und die Frage, welches Abo sich überhaupt noch lohnt, ist seither lauter denn je.
Die Ausgangslage: Preiserhöhungen bei beiden Diensten
Fangen wir mit den nackten Zahlen an. Game Pass Ultimate kostet jetzt 26,99 Euro monatlich – wer das aufs Jahr hochrechnet, landet bei über 320 Euro. Das ist kein Kleingeld mehr, das ist ein ordentlicher Posten im Haushaltsbudget. Sony ist zwar etwas moderater vorgegangen, aber auch hier gilt: Wer monatlich zahlt, zahlt deutlich mehr als noch vor einem Jahr.
Interessant ist, was in der Community passiert ist: Viele Spieler:innen fangen plötzlich an, ihre Nutzungsgewohnheiten zu hinterfragen. Wie viele Spiele spiele ich wirklich über den Dienst? Hätte ich die Titel nicht günstiger im Sale gekauft? Das sind Fragen, die sich vorher kaum jemand gestellt hat – bei 10 oder 12 Euro im Monat war der mentale Aufwand schlicht zu gering. Bei fast 27 Euro sieht das anders aus.
PS Plus im Überblick: Essential, Extra und Premium
Sony hat sein Abo-Modell in drei Stufen aufgeteilt, die sich in Preis und Umfang deutlich unterscheiden.
Essential ist die günstigste Option und entspricht im Wesentlichen dem alten PS Plus: monatliche Gratis-Spiele, Online-Multiplayer-Zugang und ein paar Rabatte im PlayStation Store. Wer hauptsächlich online zockt und ab und zu ein Gratisspiel mitnimmt, kommt hier gut weg.
Extra legt noch eine Schippe drauf und öffnet den Zugang zu einem umfangreichen Spielekatalog – vergleichbar mit dem, was Game Pass im Mittelfeld bietet. Hier finden sich aktuelle und ältere Titel zum Durchspielen, darunter viele PlayStation-Exklusivtitel. Der Haken: Die großen Sony-Exklusivtitel landen erst Monate nach Release in der Bibliothek, nicht am Tag eins.
Premium ist die Königsstufe und ergänzt das Extra-Angebot um etwas, das Microsoft so nicht bieten kann: einen Retro-Katalog mit PS1-, PS2-, PS3- und PSP-Klassikern sowie zeitlich begrenzte Demos ausgewählter Spiele. Wer mit Crash Bandicoot oder Sly Cooper aufgewachsen ist, bekommt hier echte Nostalgie-Stunden.
Xbox Game Pass im Überblick: Core, Standard und Ultimate
Microsoft hat sein Modell ebenfalls in drei Stufen gegliedert, die aber eine etwas andere Logik verfolgen als Sony.
Game Pass Core ist der günstige Einstieg: Online-Multiplayer und eine begrenzte, kuratierte Spielebibliothek. Kein wachsender Katalog, keine Day-One-Releases – aber für reine Online-Spieler durchaus ausreichend.
Game Pass Standard bietet Zugang zum wachsenden Spielekatalog, lässt aber das wichtigste Feature vermissen: Day-One-Releases der Xbox-Studios. Wer auf Starfield 2 oder den nächsten Forza-Teil am Erscheinungstag zugreifen will, muss weiter zahlen.
Game Pass Ultimate ist das Komplettpaket – und der Grund, warum so viele Leute überhaupt über Game Pass reden. Alle First-Party-Titel von Microsoft und Bethesda erscheinen direkt am Launchtag im Katalog, dazu gibt es EA Play inklusive und Cloud Gaming über Xbox Cloud. Letzteres ist tatsächlich praktisch: Spiele auf dem Smartphone oder schwachem PC streamen, ohne Hardware-Einschränkungen. Xbox.com
Der größte Vorteil von Ultimate bleibt das Day-One-Versprechen. Wenn Microsoft ein großes Spiel veröffentlicht, liegt es direkt im Abo. Das ist ein Mehrwert, den Sony so schlicht nicht bietet.
Direktvergleich: Spielebibliothek, Features und Preis-Leistung
Jetzt wird's interessant – und ein bisschen komplizierter.
Spielebibliothek: PS Plus Extra und Premium haben eine breite Auswahl, die sich sehen lassen kann. Viele der besten PlayStation-Exklusivtitel der letzten Jahre sind dabei – God of War, Spider-Man, Horizon, Ghost of Tsushima. Aber eben zeitverzögert. Wer diese Spiele schon beim Launch spielen will, muss sie kaufen. Game Pass hingegen liefert Microsoft-Eigenproduktionen sofort: Halo, Forza, Starfield, Indiana Jones and the Great Circle – alles direkt am Tag eins verfügbar. Dafür ist die Qualität der Drittanbieter-Titel im Katalog eher durchwachsen.
Cloud Gaming: Hier hat Game Pass Ultimate die Nase klar vorn. Xbox Cloud Gaming funktioniert auf einer Vielzahl von Geräten und ist solide in die Ultimate-Stufe integriert. PS Plus Premium bietet Cloud-Streaming zwar ebenfalls an, aber mit eingeschränkterer Kompatibilität und nicht für alle Katalogtitel. spliiit.com
Preis-Leistung im Jahresvergleich: PS Plus Premium liegt im Jahresabo günstiger als Game Pass Ultimate – das ist Fakt. Ob der Mehrwert von Ultimate die Preisdifferenz rechtfertigt, hängt davon ab, wie intensiv man Cloud Gaming nutzt und ob einem Microsoft-Exklusivtitel wichtig sind.
Spielequalität: Das ist natürlich subjektiv, aber es gibt einen spürbaren Unterschied in der Philosophie. Sony setzt auf wenige, hochpolierte Exklusivtitel mit Blockbuster-Anspruch. Microsoft setzt auf Breite und Vielfalt – mehr Spiele, aber nicht immer mit demselben Qualitätsniveau. Beides hat seine Berechtigung, je nachdem was man sucht.
Welches Abo passt zu welchem Spielertyp?
Pauschalantworten helfen hier nicht weiter – es kommt wirklich auf die eigene Spielweise an.
Der PlayStation-Fan: Wer auf PS5 zuhause ist, Sony-Exklusivtitel liebt und keinen Bedarf an Cloud Gaming hat, ist mit PS Plus Extra oder Premium gut bedient. Die Bibliothek ist stark, das Jahresabo halbwegs fair kalkuliert, und der Retro-Katalog in Premium ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Der Xbox- und PC-Spieler: Wer auf Xbox Series X/S oder Windows 11 zockt und keine Lust hat, jeden Monat neue Spiele zu kaufen, kommt an Game Pass Ultimate kaum vorbei. Die Day-One-Releases allein rechtfertigen für viele den Preis – vorausgesetzt, Microsoft liefert weiterhin regelmäßig große Titel.
Der Gelegenheitsspieler: Hier lautet die ehrliche Empfehlung: Spar das Geld. PS Plus Essential oder Game Pass Core reichen für Online-Multiplayer und ein paar Gratisspiele völlig aus. Wer nur einmal die Woche eine Runde Warzone oder FIFA zockt, braucht keinen Premium-Katalog.
Der Retro-Enthusiast: PS Plus Premium, ohne Diskussion. Der Klassiker-Katalog von PS1 bis PS3 ist einzigartig und hat bei Microsoft kein Äquivalent. Wer Nostalgie sucht, ist hier richtig. PlayStation Blog
Der Vielzocker mit knappem Budget: Hier ist kreatives Abomanagement gefragt. Ein Monat Game Pass Ultimate für eine intensive Spielphase – etwa wenn mehrere große Releases gleichzeitig erscheinen – dann kündigen und im Ruhemonat pausieren. Alternativ: PS Plus im Jahresabo für konstanten Gegenwert ohne böse Überraschungen auf der Monatsabrechnung. Reddit r/AskGames
Fazit: Kein klarer Sieger – aber eine klare Empfehlung je nach Situation
Nach den Preiserhöhungen hat sich die Gleichung für beide Dienste verschlechtert – das lässt sich nicht schönreden. Wer früher reflexartig verlängert hat, sollte jetzt kurz innehalten und überlegen, was er wirklich braucht.
Game Pass Ultimate lohnt sich für Vielzocker, die auf Xbox oder PC unterwegs sind, keine Spiele kaufen wollen und Microsoft-Exklusivtitel tatsächlich spielen – nicht nur theoretisch wollen. Cloud Gaming als Bonus ist nett, sollte aber nicht der einzige Kaufgrund sein.
PS Plus Extra oder Premium ist die bessere Wahl für PlayStation-Fans, die Wert auf kuratierte Qualitätstitel legen, das Jahresabo nutzen und vielleicht noch ein Faible für ältere PlayStation-Klassiker haben. Wer nur online spielen möchte, greift zur günstigsten Stufe – alles andere ist schlicht Geldverschwendung für ungenutzte Bibliotheken.
Ein Blick über den Tellerrand lohnt sich außerdem: EA Play Pro, Nintendo Switch Online oder auch einfach der klassische Spielekauf im Sale können je nach Nutzungsverhalten die günstigere und sinnvollere Alternative sein. Der Markt ist in Bewegung, und bei weiter steigenden Preisen könnte sich das Bild in den nächsten Jahren noch einmal deutlich verschieben.
Was bleibt? Die Preiserhöhungen bei Game Pass und PS Plus markieren einen Wendepunkt. Gaming-Abos haben lange davon gelebt, dass sie sich "zu günstig zum Kündigen" anfühlten. Dieses Argument zieht bei fast 27 Euro im Monat nicht mehr automatisch. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass beide Dienste nur dann echten Mehrwert liefern, wenn man sie aktiv nutzt – und dass die Entscheidung zwischen Sony und Microsoft längst keine reine Glaubensfrage mehr ist, sondern eine pragmatische Kosten-Nutzen-Rechnung. Wer das einmal verstanden hat, trifft die richtige Wahl für sich – egal welche das am Ende ist.

Sebastian Kraus
Sebastian zockt seit über 30 Jahren — vom C64 über die PlayStation 1 bis zum heutigen Gaming-PC. Auf gamingzeit.de schreibt er über Konsolen, PC, Indie und Hardware.



